
Kann CBD verbessern, wie wir andere verstehen und mit ihnen umgehen? Cannabis enthält Verbindungen, die auf das Gehirn wirken und laut wissenschaftlichen Studien unsere Fähigkeit beeinflussen können, Emotionen, Absichten und Gedanken anderer Menschen zu verstehen – also die soziale Kognition.
Die Cannabispflanze enthält zahlreiche Bestandteile, die mit unserem Gehirn interagieren können. Sie verändern seine Funktionsweise und damit auch die Funktionsweise des Geistes.
Das Gehirn ist für eine Vielzahl kognitiver Funktionen verantwortlich, doch in unserem CBD-Blog konzentrieren wir uns auf die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die soziale Kognition. Dafür haben wir den Forscher Alberto Sainz gewonnen: Er hat einen Forschungsmaster in Neurowissenschaften, wurde in Psychopharmakologie der Cannabinoide promoviert und arbeitet mit der Stiftung ICEERS zusammen.
Was ist soziale Kognition?
Soziale Kognition ist unsere Fähigkeit, andere zu verstehen: wie sie denken, was sie fühlen und warum sie so handeln, wie sie handeln. Sie ist eine grundlegende Fähigkeit, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, und erfordert eine Reihe von Kompetenzen, mit denen wir das Verhalten anderer in einem sozialen Kontext verstehen, deuten und vorhersagen können – etwa das Erkennen von Emotionen oder das Verstehen der Absichten Dritter.
Innerhalb der sozialen Kognition sind zwei grundlegende Fähigkeiten besonders wichtig:
- Empathie: die Fähigkeit, zu verstehen und mitzufühlen, was ein anderer Mensch empfindet. Sie kann kognitiv sein (Emotionen erkennen, ohne sie selbst zu fühlen), emotional (fühlen, was der andere fühlt) oder mitfühlend (dem anderen helfen wollen).
- Theory of Mind (ToM): die Fähigkeit zu verstehen, dass andere Menschen Gedanken, Wünsche, Überzeugungen, Emotionen oder Absichten haben, die sich von unseren unterscheiden. Sie kann kognitiv sein (Ideen und Absichten erkennen) oder affektiv (die Emotionen des anderen verstehen und sich auf sie einlassen).
Diese Fähigkeiten sind entscheidend, um gesunde soziale Beziehungen zu pflegen und besser zu kommunizieren.
Welchen Einfluss hat Cannabiskonsum darauf, wie wir andere verstehen?
Wie das Gehirn funktioniert, ist noch nicht vollständig verstanden, doch nach und nach entschlüsseln Neurowissenschaftler die Mechanismen dieses faszinierenden Organs. Einer der aktuellen Forschungsschwerpunkte ist, wie Cannabis-Verbindungen wie THC und CBD komplexe geistige Funktionen wie soziale Fähigkeiten beeinflussen.
Dieses Interesse ergibt sich sowohl aus den Effekten, die bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten beobachtet wurden – bei ihnen hat man Unterschiede in der Regulierung und im Verständnis von Emotionen beschrieben – als auch aus den möglichen Auswirkungen der therapeutischen Anwendung von Cannabis bei Patienten, die nicht regelmäßig Cannabis konsumieren.
Wie kann Cannabis auf das Gehirn wirken? Wirkmechanismus
Cannabinoide sind die Bestandteile von Cannabis, die mit unserem Endocannabinoid-System (ECS) interagieren – einem biologischen System im Gehirn, das Prozesse wie Stimmung, Appetit, Gedächtnis und Schmerz reguliert.
Das Endocannabinoid-System findet sich in Hirnregionen wie der Amygdala und dem präfrontalen Cortex, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind.
Die Cannabinoide aus Cannabis, etwa THC und CBD, interagieren mit diesen Rezeptoren und können die Funktion dieser Hirnregionen modulieren. Deshalb untersuchen immer mehr Studien, wie diese Verbindungen die kognitiven Fähigkeiten beeinflussen können, einschließlich der sozialen Fähigkeiten. Das könnte helfen, die Rolle von Cannabis bei der sozialen Kognition und seinen möglichen Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen und neurologischen Entwicklungsstörungen wie Schizophrenie oder Autismus zu verstehen.
Um zu untersuchen, wie sich Cannabiskonsum auf die soziale Kognition auswirkt, setzen die Studien Tests zum Verständnis von Gesichtsausdrücken, Theory-of-Mind-Tests und funktionelle Bildgebung (fMRT) ein. Damit lässt sich beobachten, welche Hirnareale bei sozialer Interaktion aktiv werden.
THC und soziale Kognition
Einige wissenschaftliche Studien haben Cannabiskonsum mit Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten in Verbindung gebracht, die mit der sozialen Kognition zusammenhängen. In der Regel verwenden Studien zum Cannabiskonsum Cannabis mit hohem THC-Gehalt (der psychoaktiven Verbindung von Cannabis) und sehr niedrigem (oder gar keinem) Gehalt an anderen Cannabinoiden. Die Ergebnisse dieser Studien deuten darauf hin, dass Cannabiskonsumenten unter dem Einfluss von THC eine geringere kognitive Empathie zeigen. Die Schlussfolgerung lautet: THC verringert die kognitive Empathie, also die Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen zu erkennen, und schwächt außerdem die Verarbeitung negativer Emotionen ab (1–11).

Darüber hinaus hat eine wissenschaftliche Studie, die mit bildgebenden Verfahren untersuchte, welche Hirnareale unter dem Einfluss von THC aktiv werden, gezeigt, dass THC-Konsum mit Unterschieden in der Aktivierung von Hirnarealen verbunden ist, die an der Theory of Mind beteiligt sind (12). Das könnte bedeuten, dass THC Fähigkeiten wie das Verstehen von Gedanken, Überzeugungen und Absichten anderer Menschen verändert.
CBD und soziale Kognition
Zu CBD gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Studien, die seine Wirkung auf Fähigkeiten der sozialen Kognition untersuchen. Eine der wichtigsten Studien fand keinerlei Unterschied in den kognitiven Fähigkeiten während des CBD-Konsums (10), während eine andere Studie ergab, dass CBD die kognitive Empathie verbesserte, also das Erkennen der Emotionen anderer – allerdings nur bei positiven Emotionen und im Vergleich zum Placebo (6). Außerdem konnte CBD die Wirkung von THC auf die kognitive Empathie ausgleichen.
Eine Studie zeigte, dass CBD half, positive Emotionen besser zu erkennen, und dass es auch die negativen Effekte von THC auf die Empathie verringern konnte.
Studie zu Cannabis und sozialer Kognition in den Cannabis-Clubs von Barcelona
Vor Kurzem bestätigte eine placebokontrollierte Doppelblindstudie in den Cannabis-Clubs von Barcelona, geleitet von José Carlos Bouso von der Stiftung International Center for Ethnobotanical Education Research and Service (ICEERS) und dem Forscher Alberto Sainz, dass chronischer THC-Konsum das Erkennen von Emotionen bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten verringert und zudem die emotionale Empathie für negative Emotionen schwächt. Außerdem zeigte die Studie, dass THC und CBD gegensätzliche Wirkungen auf das Erkennen von Emotionen haben: Unter dem Einfluss von CBD konnten die Teilnehmenden Emotionen besser erkennen. Die Ergebnisse der Studie belegten zum ersten Mal, dass CBD bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten die Fähigkeiten der Theory of Mind verbessert, genauer gesagt die der kognitiven Theory of Mind: die Fähigkeit zu verstehen, was andere Menschen denken, glauben oder sich wünschen (13,14).
Fazit: Beeinflusst Cannabiskonsum, wie wir andere verstehen?
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft scheint THC die Fähigkeit zu verringern, die Emotionen anderer zu erkennen, und zudem die Fähigkeit, sich emotional in einen anderen Menschen einzufühlen, wenn es um negative Emotionen geht.
CBD scheint die gegenteilige Wirkung zu haben: Im Vergleich zu THC verbessert es die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, und kann die negativen Effekte von THC sogar ausgleichen. Außerdem verbessert CBD die Fähigkeit, die Gedanken und Absichten anderer Menschen zu verstehen.
Zusammengefasst zeigen die Studien, dass bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten die Fähigkeiten der sozialen Kognition abnehmen können, vor allem wegen des THC. CBD hingegen kann dem entgegenwirken oder sie sogar verbessern. In jedem Fall sind die bisherigen Studien recht begrenzt, und man sollte weitere Forschung abwarten, die die Ergebnisse bestätigt.
Quellen
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